Kulturhaus Murchin MV

In den 90ern bin ich viel als Handwerker durch MeckPomm gefahren. Überall waren Türen und Fenster zu ersetzen, Überdachungen und Fassaden wurden dort angebaut, wo noch Leute wohnten.

Auf Rügen hatten wir damals aus Neubauwohnungen nagelneue DDR-Fenster (unter der Hand) an Gartenbesitzer weiterverkauft, weil wir die gegen Westfenster aus Plaste tauschen sollten. Ein guter Nebenverdienst. ;-)
Neubauer, Renovierer und Handwerker hatten also erst mal gut zu tun.

Trotzdem leerten sich so langsam kleinere Ortschaften auf dem Land. Es gab keine Arbeit mehr, LPG´en wurden geschlossen, der Konsum machte zu. Nur ein paar Einheimische, die zu alt waren, blieben. Gezwungenermaßen.

„Neben zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben gab es eine Post, eine Kaufhalle (Konsum), Bibliothek, Arztstation, Kindergarten, Lehrlingswohnheim und das Kulturhaus mit Gaststädte. Im Sozialismus ist so etwas in einem kleinen Dorf selbstverständlich und ganz normaler Lebensstandard. Im Kapitalismus ist so etwas aber völlig unmöglich. Natürlich war jedem Kind der kostenlose Kindergartenplatz sicher. Genauso selbstverständlich wie jeder hier auf dem Dorf kostenlos zum Arzt gehen konnte.“

Im Kulturhaus in Murchin hatten auch wir (als Band) Konzerte gegeben und zum Tanz gespielt.
Wenn ich mir das heute ansehe, überkommt mich eine große Traurigkeit.

5 Kommentare:

  1. Ich kenne Murchin nicht. Dafür kenne ich die unzähligen Tanzsäle unserer Umgebung in Sachsen, die nach der Wende zusammenbrachen oder abgerissen wurden.
    Neben dem Niedergang der Jugendkultur der DDR, dürfen wir insgesamt auch einen echten Niedergang der Gaststättenkultur verzeichnen. Eine Achzehntausend Einwohner zählende Kreisstadt hatte mal rund sechzig Gaststätten, die allesamt voll waren und garantiert nicht gegen die lauernde Pleite kämpfen mußten. Und das bei Bierpreisen von vierzig Pfennig auf den viertel Liter. Heute findet man in so einer Stadt bestenfalls zehn Kneipen, die allesamt leer sind.

    bummi

    • Ich wollte mir in Krefeld auch so eine Art Stammkneipe zulegen. Aber entweder gab es keinen Billardtisch oder das „Publikum“ war mir nicht genehm. Kann aber auch sein, daß ich eigentlich keine Lust mehr hatte. Das sieht sowieso etwas anders aus, wenn man verheiratet ist.

      • Billiard, vor allem das mit Kegeln, zwei weißen und einer roten Kugel, war die allererste Abgewöhnung in dieser Schweinezucht:-)) Die Freunde waren alle blitzartig weg, weil sie im Ausland oder in der Schweinezucht arbeiten gehen mußten und reihenweise auf der Autobahn kreppierten.

        Die Abgewöhnung von der Kneipe kommt vielleicht davon, daß man wochenlang blöde Fragen beantworten sollte, die noch mit dreisten Behauptungen irgendwelcher Goebbelsjournaillen angereichert waren. Die Gesprächspartner verkauften das trotz praktischem Unwissen, als Tatsache. Kein Mensch streitet sich monatelang mit geistig unterbemittelten Idioten:-))

        Ich habe heute diese Leute in ihrem „Urlaub“ auf Kredit vor meinem Gesicht. Ich glaube, die bestehen nur aus einen rotzdummen, großen Maul. Gespräche sind da zwecklos.

        bummi

  2. Sehr gutes Zitat. Beschreibt alles, was wichtig ist.
    ————————————————–

    Murchin kenne ich nur wegen der damals angesagten Großraum-Disko, die einen riesigen Laserstrahl in den Himmel schickte. Viele fuhren über 100 km, um dort mitzutanzen.

    Anfang der 90er war ich dort fast jeden Freitag mit einem Kumpel. Nach zehn Gin-Tonic begann ich Kaffee zu trinken. Ich war der Fahrer … Ich wurde nie erwischt. Im Winter war es arschglatt auf den Straßen. Es lagen viele Autos im Straßengraben.

    • Als Großraum-Disco habe ich es nicht mehr kennengelernt. Da gab es nähere Auflaufmöglichkeiten für mich….wenn ich denn Lust hatte. Und in Greifswald und Umgebung fand man immer irgendwas.
      Inzwischen kam der PC dazu und da habe ich einen großen Teil Lebenszeit verbracht, spätestens als ich online ging. Außerdem mußte ich mich wie alle anderen anstellen am Einlaß, das ist mir die letzten DDR-Jahre nicht passiert – ich war zu bekannt. 8-)

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