Ich wäre Deutschland

Ja, es ist mir peinlich, daß Leute glauben, ICH wäre „Deutschland“.
Mir ist es unangenehm, in einem Land zu leben, daß Russland als Bedrohung propagiert.
Ich vertrage es nicht, von „amerikanischen Befreiern“ zu lesen.

Mir wird unwohl, wenn mich Bettler auf der Strasse anquatschen.
Mir wird übel, wenn Leiharbeit als regulärer Arbeitsplatz akzeptiert wird.
Es beleidigt mich wenn mir Politiker die Welt in Schwarz-Weiß-, Links-Rechts- oder Gut-Böse-Kategorien erklären.
Mich deprimiert, daß Obdachlose und Suppenküchen zum BRD-Alltag gehören.
Ich werde wütend, wenn mir Menschen sagen, daß es IHNEN doch aber gut geht.
Mich nervt Werbung, denn es ist eine Form von Propaganda.
Es geht mir auf den Keks, wenn man sich über Wehrmachtstraditionen in der Bundeswehr aufregt. Das ist bekannt seit meiner Schulzeit.
Ich könnte radikal werden, wenn man mir Krieg als Normalzustand darstellt.
Ich muß erst mal tief einatmen. Und ausatmen…

Was mir so alles gegen den Strich geht, kann ich hier nicht aufzählen leider aber auch nicht einfach mein jetziges Lebensumfeld mit den ganzen negativen Bildern ausblenden, so wurde ich nicht erzogen. Es gibt da schon erhebliche Unterschiede in der Erziehung in beiden deutschen Staaten. Frank Weber, Weberknecht

Wir Ossis wären z.B. nicht so solidarisch wie der Alt-Bundesbürger. Daß wir nicht diese BRD-Auslegung von Solidarität haben, interessiert in dieser Umfrage nicht. Im Westen denken viele, wenn man dem Bettler ´n Euro gibt oder wenn Reiche Geld für oder gegen etwas spenden, wäre das Solidarität – ich könnt´ ja nicht vor Lachen.

Zu meinem Lebensumfeld: Ja ich bin von Greifswald in den tiefsten Westen der BRD gezogen, aus verschiedenen Gründen. So habe ich den echten „der schon immer da wohnt“-BRD Bürger ausgiebig studieren können. Zu DDR-Zeiten legten West-Besucher schon damals ein aus unserer Sicht merkwürdiges Verhalten an den Tag. Wie soll ich es beschreiben – sie waren eben anders, um es mal wertfrei zu formulieren. Ältere Ostdeutsche wissen, was ich meine.

Nochmal zum Link: „Unsolidarischer Osten als Folge der DDR-Diktatur?“ *gröhl* Die Antwort wurde schön in der Schlagzeile versteckt.
Zum Glück tu ich mir Westnachrichten selten an und wenn, hinterfrage ich diese dann auf meinen Nachrichtenseiten. So habe ich das schon früher gemacht, natürlich mit anderen Vorzeichen. Anhand der letzten Wahlergebnisse muss ich allerdings davon ausgehen, daß der Wessi immer noch an den Wahrheitsanspruch der Tagesschau oder der Qualitätszeitungen glaubt, jedenfalls der, welcher die berüchtigten Parteien gewählt hat und da gibts ja noch ne ganze Menge. Denn – IHM geht´s doch hier ganz gut? Natürlich – wenn er das Elend neben der Fassade nicht sehen will.

Es bleibt dabei: Diesen Kapitalismus kann man nicht reformieren oder sozialer machen, das ist in diesem System und mit DEN Politikern nicht vorgesehen. Daß ich trotzdem noch immer die Linke wähle hängt mit meiner verschwindenden Hoffnung zusammen, daß der Verfall in dieser veralteten Gesellschaftsordnung in den nächsten 20 Jahren nicht noch stärker wird, und dann bin ich 82…das sollte reichen.
Ein bißchen denke ich da auch mal nur an mich – so wie sich das heutzutage gehört.

Zum Schluss noch was nicht so Enstes aus den 90-ern:

Bei einem Friseur im Osten:
„Das Rasieren bei Ihnen kostet seit der Währungsunion deutlich mehr“
„Natürlich, die Gesichter sind ja auch länger geworden.“

6 Kommentare:

  1. Uhrzeit und Ort hast du per mail. Nun wähle den Tag – Freitag oder Samstag. Mir egal.

    Grüße

  2. Ja. Freitag oder Samstag ist okay.
    Schick dir ne mail.

  3. Dann sag mal Bescheid. Wir könnten uns dort oben treffen.
    Email haste ja.

    P.S. Die Mathe-Aufgaben sind unglaublich. Gut,daß ich sie lösen kann. ;-)

    • Mit diesen Rechenaufgaben verliere ich allerdings viele potenzielle Kommentatoren aus dem westlichen Ausland. :mrgreen:

      Hast du meine Mail mit eventuellen Terminvorschlägen erhalten?

  4. Sehr guter und ehrlicher Text, den ich natürlich unterschreibe.

    Übrigens: Die gleiche Tasse steht auch in meinem Schrank. :wink:

    Vorpommersche Grüße aus der verkauften Heimat

    • Danke und Grüße zurück. Wenn es klappt sind wir im Juni für ne Woche (leider weiß ich nicht mehr genau wann) in der Heimat. Vielleicht auch noch mal im Juli.

      Ich hab einem Westkollegen mal die Tasse „Held der Arbeit“ zum Geburtstag geschenkt…der war voll aus dem Häuschen. :mrgreen: Kannte er noch nicht bis dahin.
      Mein Mini-DDR-Museum muß ich auch mal wieder sortieren.

      Ich wünsch dir was.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

87 − = 80

:wink: :twisted: :roll: :oops: :mrgreen: :lol: :idea: :evil: :cry: :arrow: :?: :-| :-x :-o :-P :-D :-? :) :( :!: 8-O 8-)