Beim Essen wird nicht geredet!

strawberry-896397_640Das war eine der Tischregeln aus den 60-ern / 70-ern einer nicht ganz perfekten Erziehung in meinem trauten Elternhaus. „Es wird aufgegessen“ oder zum Abschluß der Spruch: „Danke, es hat gut geschmeckt, darf ich aufstehen?“ runden das Bild ab. Ja wir wurden regelrecht dressiert.

Wie wichtig gutes Kauen der Nahrung ist, erklärte man uns auch im Biologieunterricht der 8. Klasse: „Die Verdauung beginnt im Mund, da werden die langen Kohlehydratketten gespalten.“ Da ich ein (meist) artiger Schüler war, übernahm ich das 1 zu 1 und verinnerlichte das: Ich spaltete und spaltete. Kohlehydrate, Kaugummies, BonBons, Rührei; sogar ein Bierglas war mal dabei.  Die Probleme dieser Ess-Erziehung traten bei mir dann später auf.

Gründliches Kauen ist in der „moderneren Zeit“ nicht mehr so aktuell. Man legt mehr Wert auf Kommunikation während des Essens. Leider kann ich nur eins zur Zeit: Entweder gründlich kauen oder schwatzen. Gepflegtes Zermahlen der Nahrung hat für mich erste Priorität. Das hat zwar nicht die Enstehung eines Dickdarmkarzinoms verhindert, aber ich habe ein ruhiges Gewissen. Dadurch fielen allerdings Tischgespräche weitgehend aus, zum Ärger von Susi, der alten Plappertasche.

Während ich letztens gerade beim Abendbrotspalten war und der Fernseher außerdem lief, versuchte sie mir etwas mitzuteilen. Das ging natürlich daneben und mir wurde unterstellt, daß ich sie ignorieren würde. Dabei hatte ich mit meinen Kaugeräuschen zu tun.
Susi, also wirklich!
kette2Ganz schlimm wird das bei Erdbeeren: Zwanghaft versuche ich die leckeren Früchte im Mund zu atomisieren, die Nüßchen auf der Erdbeere verursachen allerdings auch weitgehend hörbare Spaltgeräusche – ein Teufelskreis. Auch für die Mitesser in meiner Umgebung.
Manchmal schiebe ich es auf meine norddeutsche Eigenart, etwas wortkarg zu sein, nicht nur beim Essen. Das wird jedenfalls eher akzeptiert, als eine Kohlehydratkettenzwangsspaltung, in einer Zeit der Viel- und Schnell- und Kommunikatiosfresser.
Beim Essen wird  nichts getrunken“ war auch noch so eine Parole, die mir gerade einfällt. Ja, es war nicht alles gut zu DDR-Zeiten.

Dafür gab es bei uns keine Tischgebete – die wären mir mit Sicherheit auf den Magen geschlagen.

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