Meine Bildung in der DDR-Diktatur.

In meinem Geburtsort Altenburg habe ich 1962 nur die erste Klasse absolviert. Gebr. Reichenbach-Schule. Der Name einer Mitschülerin ist noch in meinem Kopf: Ch. Pfefferkorn. Seltsam, was einem so einfällt, was doch ganz weit weg ist.
Angeblich wurden in der DDR  die Schüler der ersten Klasse  gefragt, welche Uhr im Fernseher bei ihnen zu Hause angezeigt wird. Die mit Strichen oder Punkten? Uns frug keiner. In der sogenannten „Diktatur“.

Ab der zweiten Klasse ging es in Lubmin weiter, bis zur 8. Klasse. Mein erster Schultag in Lubmin: Ein Graus. „Ein Neuer!“
Ich stand einen Tag lang jede Pause an der Hauswand der „Alten Schule“ und wurde begafft. Und keiner sagte anfangs was, man  starrte nur. Vorpommern eben, kein Wort wurde zuviel gesprochen.

In der achten Klasse wurden Talentsucher wegen meiner Überlänge (1,89m) auf mich aufmerksam und ich ging auf die Kinder- und Jugendsportschule Rostock. Ich wurde Ruderer beim ASK für zwei Jahre, musste dann allerdings aus gesundheitlichen Gründen aufhören.
Wir wohnten im  Sportforum, dicht am Hansa-Stadion.
Im Hochhaus, 9. Etage. Rechts Speisesaal und Küchentrakt.

Leistungssport ist schon ganz schön anstrengend, machte mir in dem Alter allerdings nichts aus. Es gab eine hervorragende Verpflegung und die Ruderer bekamen die doppelte Ration Fleisch zum Mittag. Das weckte natürlich den Neid anderer Sportler. Viel Eiweiß zum Muskelaufbau also, da brauchte man keine Pillen, Spritzen oder Cocktails mit dubiosen Substanzen.
Ein Mal die Woche Extra-Kraftraining – morgens vor dem Unterricht. Ansonsten  im „Männerbootshaus“ vom ASK Rostock an der Warnow.

Im Winter gab es „Trockenrudern“ im Ruderbecken und wir fuhren in´s Trainingslager zum SC Dynamo Klingenthal. Natürlich mussten einige Ruderer erst lernen, mit Langlaufski umzugehen.

Mein größter sportlicher Erfolg: 2. Platz bei den DDR-Meisterschaften im Doppelvierer.         

Das Gelände Bootshaus in Kessin gibt es heute noch unter dem Namen „Olympischer Ruderclub Rostock“. Vereinsleiter ist Olympiasieger Ulrich Kons, mit dem ich damals im Doppelvierer saß. Vor einem Vierteljahr gab es sogar einen kurzen Email-Kontakt mit ihm. Und ein Foto von ihm mit Helmut Recknagel.

Ein paar Jährchen Musikschule Wolgast und Greifswald kommen noch hinzu: Tenorhorn, Schlagzeug und Saxophon.
Dann noch die Lehre im NEG Greifswald von 1972-´74.

Jedenfalls, es gab eine hervorragende Rundum-Allgemeinbildung mit einem wissenschaftlichen Weltbild; dazu muss ich eigentlich nichts weiter schreiben. Selbst Nadelarbeit gabs damals – für alle. Das hatte später den Vorteil, daß ich meine Klamotten oder neulich den überlangen Reißverschluss des Bettbezugs reparieren konnte.

„Alles in allem müsste jeder sächsische Grundschüler mit einem Umzug nach Hamburg eigentlich sofort die allgemeine Hochschulreife bescheinigt bekommen – ganz egal wie alt oder in welche Klasse er zuletzt ging.“ 

Holger Witzel, „Schnauze Wessi!“

Bild vom Internat von von https://www.hotel-sportforum.com/geschichte.html

 

2 Kommentare:

  1. https://www2.dersaisonkoch.com/2023/03/26/etwas-ddr-vom-weberknecht/
    Ich hab das mal meinen Gastgebern zugespielt
    Mein zweiter Teil-Winter ist jetzt redigiert. Das spiele ich morgen ein. Auch das neue Cover. Vom 3.Teil muss ich das neue Cover noch setzen.
    Karinka wird auch gerade fertig.
    Fehlt nur noch der 1.Teil und Joana, nebst zwei Krimis zu redigieren.

  2. Guter Artikel. Ich dachte schon, daß du total abgetaucht bist.

    Grüße aus der verkauften Heimat

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